Der Jahrgang 2009 war für österreichische Spitzenweine ein denkwürdiger Jahrgang. Die Weinzeitschrift Vinum würdigte ihn mit einer ausführlichen Degu. Wir schauten mal, ob wir derselben Meinung sind. Unter anderem testeten wir zwei Pannobiles (Pittnauer, Leitner) sowie weitere burgenländische "Ungeheuer", die bei vinum 17,5 und 18 Punkte erhielten. Auch wenn wir im Schnitt nicht ganz die Höhe der Vinum-Bewertungen erreichten, zeigte sich die durchaus hohe Qualität der Weine. Doch wir staunten. Mitten im Reigen der Grossen tummelten sich auch einige peirswerte "kleinere" Gewächse. Unter anderem ein Zweigelt von Rabl für sagenhafte Fr. 11.35 (Fasszination). Oder ein Grüner Veltliner (Domaine Wachau) für Fr. 9.95 (Denner)! Mit anderen Worten lohnt es sich, nicht nur auf die teuren, internationalen Weine abzustellen (z.B. Schwarz), sondern im breiten Angebot die Nischenprodukte zu suchen!
Es degustierten am 4.4.13: Madeleine Beyeler, Markus Matzner (Gastgeber), Monika Fürst, Susanne Saudan, Jack Germann, Flurin Durisch, Hans Matzner, Pino Aschwanden, Ralph Wettach.
Chardonnay und Merlot aus dem Tessin. So hiess die Affiche an diesem Clubabend. Und schnell wurde klar, dass sich beide Sorten weiterentwickelt haben. Galt bis vor kurzem die ABC-Regel - anything but chardonnay - hat sich der Wind gedreht. Her mit neuen, spannenden Chardonnays, die terroirkonform gekeltert wurden und nicht mehr einfach nur holzbetonte Hammerweine sein möchten. Und auch beim Merlot, der in der Schweiz fast ein wenig als autochthone Sorte verstanden sein will (dabei gehört Merlot selbstredend zu den meistangebauten Sorten der Welt), hat sich ein Wandel ergeben. Die neuen Weine kommen teilweise sehr modern, obgleich auch opulent daher.
Unterm Strich bieten die Tessiner Weine eine Palette an interessanten Tropfen mit spannenden Spielarten. Leider aber stehen vor allem die Roten nach wie vor in einem Preissegment, dass den Begriff preiswert nicht verdient. Alles auf einen Blick: hier.
Es degustierten am 29.1.13: Ralph Wettach (Gastgeber), Susanne Saudan, Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Pino Aschwanden, Hans Matzner, Flurin Durisch, Markus Matzner
Das Auge trinkt mit...
Wie sehr lässt sich das Auge beim Weinkauf leiten? Man muss kein Kulturpessimist sein, um zu ahnen, dass wir uns gerne optisch etwas vorgaukeln lassen. Das gilt insbesondere auch für Weine, deren Etiketten ansprechend sind. Gerade bei der Wahl zwischen zwei unbekannten Flaschen, die das gleiche Sortenbild oder eine ähnliche Herkunft aufweisen, werden wir die "schönere" Etikette bevorzugen, sofern der Preis ähnlich ist. Aus diesem Grund überprüfen wir im WTC die Weine selbstverständlich "blind", d.h. ohne ihre Etikette zu sehen. Mit anderen Worten soll ihre Qualität geprüft werden und nicht ihr Äusseres. Bei unserem Bestreben kamen recht eindrückliche Diskrepanzen zu Tage. So polarisierten die Weine teilweise extrem, und der Schnitt der Weine lag eher tief. Somit ist klar: Was ein gelungener Auftritt bisweilen kaschiert, kann sein simpler Sinneseindruck nicht verschleiern. Unser Resumée ist daher nicht verwunderlich. Das Auge trinkt mehr mit, als uns lieb sein kann. Oder anders gesagt: Augen zu beim Weinkauf...
Es degustierten (24.10.12): Monika Fürst (Gastgeberin), Madeleine Beyeler, Susanne Saudan, Hans Matzner, Ralph Wettach, Pino Aschwanden, Markus Matzner
Chardonnay und Grenache: Im Ausland wachsen die besten Franzosen...
Die eine ist eine alte Bekannte, die weit herum gekommen ist. Die andere ist zwar nicht ganz so bekannt, doch ebenso ein World-Player... Die Rede ist von Chardonnay und Grenache. Beide Sorten kommen ursprünglich aus Frankreich, haben sich aber mittlerweile in Europa ebenso ausgebreitet wie international Beachtung gefunden. Wie aber steht es bei unserem Sample? Nun, es kommt bekanntlich anders, als man denkt. Insbesondere, wenn eine Gruppe von unterschiedlich bevorliebten Weininteressierten "blind" verkostet. So schnitt beileibe nicht der typischste Chardonnay (aus der Urprovenienz Burgund) am besten ab, sondern eine österreichische Ausprägung, die erst noch ohne Barrique auskam. (Weingut Muster in Gamlitz/Steiermark) Bei den Roten konnte nicht etwa ein südfranzösischer Wein oben ausschwingen, sondern ein australischer (Turkey Flat, Barossa Valley). Der gefiel einerseits wegen seines Gesamtauftrittes wie wegen seines Preises. Apropos Preis: Einmal mehr konnten die teuersten Tropfen nicht überzeugen, rangierten sich bestenfalls im Mittelfeld. Der Grund ist wohl die alte Leier, wonach man einen Etikettenwert von 45 Franken nicht degustieren, sondern höchstens intellektuell ergründen kann...
Es degustierten: Pino Aschwanden (Gastgeber), Susanne Saudan (Gastgeberin), Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Ralph Wettach, Christoph Egli, Jack Germann, Markus Matzner.
Teuer = gut? Eine Ungleichung...
Kleider machen Leute, weiss der Volksmund spätestens seit Gottfried Kellers gleichnamiger Novelle. Wir wissen: Hohe Weinpreise machen Nachfrage. Mindestens in jenem Sektor von Weinen, die man als "Normalsterblicher" allenfalls einmal im Leben kosten kann. Denn wer weiss schon, wie ein Latour oder ein Grange schmeckt? Wie ist es aber dann, wenn das Wissen um den Wein wegfällt? Wenn nur noch die Qualität des Glasinhaltes zählt? Können dann billige Weine aufholen und die teuren sogar übertrumpfen? Wir machten die Probe aufs Exempel und sahen, dass einige 7-fränkige Weine überaus positiv bewertet wurden und hundertfränkige Tropfen hinter sich liessen. Und die Moral von der Geschicht? Trau dem Preis alleine nicht...
Es degustierten (Juli 2012): Flurin Durisch (Gastgeber), Madeleine Beyeler, Monika Fürst, Susanne Saudan, Jack Germann, Christoph Egli, Pino Aschwanden, Markus Matzner
Veltlin - eine schweizerisch-italienische Liaison
Bis 1815 gehörte das Veltlin noch zur Schweiz. Am Wiener Kongress sorgten die Machthaber aber dafür, dass es zum lombardo-venetianischen Königreich geschlagen wurde. Dennoch - und das ist die Ironie der Geschichte - winzern nach wie vor einige Schweizer Familien (im Bild der Barrique-Keller der Familie Triacca) auf den steilen Rebhängen zwischen Tirano und Sondrio. Und das mit Erfolg! Auch in unserer Degustation liegt ein "Schweizer" Veltliner vor zwei namhaften italienischen Weinen, die beim Gambero Rosso jeweils die drei Gläser auf sicher haben. So oder so lohnt sich ein profunder Blick ins Weinschaffen dieser Region, nicht zuletzt, weil es ein erstaunliches Stiefmütterchendasein fristet.
Es degustierten (Juni12): Madeleine Beyeler, Markus Matzner (Gastgeber), Flurin Durisch, Jack Germann, Susanne Saudan, Monika Fürst, Pino Aschwanden, Christian Rensch.
Südtiroler Weinschätze
Dass die Südtiroler Weine für viele Weinfreunde zu den spannenden gehören, muss nicht mehr extra betont werden. Doch das Erstaunliche an diesem Landstrich südlich des Brenners ist nicht nur, dass es wunderbare Beispiele internationaler Traubensorten gibt, sondern darüber hinaus eine einheimische, also autochthone Varietät gibt, die umwerfende Resultate liefert: die Lagrein-Traube. Kein Wunder konnten die drei Lagrein-Weine hoch punkten, obschon sie im Abgang durch einen recht ansehnlichen Bitterton (der jedoch sortentypisch ist) auffallen. Damit gehören sie sicher nicht zu den langweiligen Marmelade-Weinen, auch wenn ihre Fülle und ihre Komplexität einem jeden Modewein ebenbürtig ist. Auch bei den Weissen bietet das Südtirol einiges. Wir lernten einen Gelben Muskateller (Moscato giallo) kennen, der dank seiner Vielseitigkeit ausnehmend gefiel. Interessant war ausserdem, dass es sich bei den meisten Weinen (von Lageder und Manincor) um Bio-Weine handelt. Hier liegt aber auch die Crux an unserem Sample. Nicht selten gaben gewisse brett-ähnliche Töne Abzüge und das hatten wir schon früher bei Bio-Weinen.
Es degustierten: Hans Matzner (Gastgeber), Flurin Durisch, Christoph Egli, Jack Germann, Rico Dettling, Markus Matzner
Es standen wiedermal Weine zum Test, welche die weite Welt der Bordeaux-Sorten (Cabernet Sauvignon, Merlot und Cab. Franc) bereithält. Bekanntlich gibt es schon genügend Unterschiede und ein erstaunliches Qualitätsgefälle in der namengebenden Weinregion. Umso unübersichtlicher wird es jedoch, wenn man die "weltweite" Bordeaux-Szene betrachtet. Seit Jahrzehnten gilt es anscheinend für viele Winzer als das Grösste, die Kreszenzen aus dem Bordelais zu imitieren, zu kopieren oder gar zu konkurrenzieren. Und immer mehr Winemaker schaffen das auch weit weg von der Gironde. So wundert es nicht, wenn ein spanischer Merlot (aus dem Haus Juan Leon/Torres) seine Kollegen aus Frankreich übertrumpft und das bei einem Preis, wo's den anderen schwindlig wird. Weil so günstig! Dennoch muss auch angefügt werden, dass es kein Wein geschafft hat, uns restlos zu überzeugen. Die Noten sind auch dieses Mal recht verhalten ausgefallen, obschon die Polarisierung (die wir via Standardabweichung ermitteln) zumeist recht klein ausfiel.
Es degustierten: Jack Germann (Gastgeber), Pino Aschwanden, Susanne Saudan, MOnika Fürst, Hans Matzner, Ralph Wettach, Flurin Durisch, Markus Matzner
Ernüchternde Aufgaben mit Alkohol
Es war wieder mal ernüchternd und lehrreich zugleich. Wie schon eingangs erwähnt, konfrontierte uns Gastgeber Pino mit drei Aufgaben: Erstens aus drei Weissweinen die beiden Sauvignon blancs zu finden. Dann aus vier Rotweinen den Pirat zu eruieren und zu guter Letzt aus vier Weinen die Sorte von drei Rotweinen herauszufinden und den "fremden Fötzel" auszugrenzen. Gleichzeitig haben wir wie üblich bewertet. Mag sein, dass es an der Schwierigkeit der Aufgabe lag, dass die Laune der Degstaoren abnahm, was sich auch in den Noten manifestierte. Oder dann lag es an der Varianz der sortenreinen Weine, die wiedermal erstaunlich gross war. So schmeckte einer der Sauvignons weit eher nach anderen Sorten als nach der eigenen. Bei den Tempranillos mochte es an der immer öfter anzutreffenden Unart liegen, dass die Kellermeister nur dann zu reüssieren vermeinen, wenn sie möglichst viel Kraft herauskitzeln. Was nicht selten auf Kosten der Eleganz geht. Die Sangioveses schlussendlich waren zwar preislich top, aber in ihrer Gesamtschau nur teilweise auf der Höhe.
Es degustierten: Pino Aschwanden, Susanne Saudan (Gastgeber), Hans Matzner, Christoph Egli, Jack Germann, Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Markus Matzner
Quasi der zweite Teil unserer Testreihe, wie sich Schweizer Weine im Vergleich zu ausländischen schlagen. Diesmal stand die Königin der Rotweintrauben auf dem Prüfstand: die Pinot-noir-Traube. Dass sie eine der zickigen Sorten ist, würde jeder Winzer unterschreiben, der sich schon mal mit ihr versucht hat. Gelingt der eine Jahrgang fast automatisch, bilden sich in anderen Jahren unerklärliche Bittertöne, markante Säuren oder anders geartete Miesmacher. So oder so: ein schöner Pinot im Glas gilt nicht umsonst als eine fast schon meditative Offenbarung. Die Aromen, die selten vordergründig und mit Getöse daherkommen, müssen entdeckt und erarbeitet werden. Doch mit jedem Schluck, mit jeder Inhalation gelingt das besser.
Unsere Weine stammten aus der Schweiz, aus Deutschland (wo die Sorte Spätburgunder heisst), aus Frankreich (dem Stammland) und aus der neuen Welt. Dazu hat sich listigerweise ein Nebbiolo aus dem Piemont eingeschlichen, der sich nicht zu verstecken brauchte. Am besten haben ein Malanser (Studach) und ein amerikanischer Pinot (Freestone) abgeschnitten, was doch ein gewisses Erstaunen erzeugen dürfte. So attestierten die Tester dem amerikanischen Wein durchaus, dass seine Aromen sehr exotisch wirkten. Aber nichtsdestotrotz punktet so ein Wein in Sachen Intensität aufgrund unserer Methode hoch. Natürlich würden die meisten Tester dennoch einen Schweizer Pinot diesem "Fremdling" vorziehen.
Unterm Strich haben wir durch die Bank recht streng bewertet, was daran ersichtlich ist, dass die beste Note eine "75" (=sehr gut) ist. Etwas enttäuscht waren wir von den Kreszenzen des Winzers des Jahres Diego Mathier. Speziell sein 08er irritierte durch seine uneingebundene Säure und seine aufgesetzte Krautigkeit. Wie fast immer konnten auch die französischen Botschafter aus dem Burgund nicht überzeugen. Uns ist es ein Rätsel, wie die bei dieser Qualität diese Preise rechtfertigen!?!
Es degustierten: Christoph Egli (Gastgeber), Hans Matzner, Pino Aschwanden, Jack Germann, Flurin Durisch, Markus Matzner
Wie eingangs erwähnt, macht sich im Herzen Europas ein Weinland auf die Socken, um dank des Klimawandels bald an vorderer Front mitzuspielen. Es bietet dank seiner unterschiedlichen Terroirs und dank seiner Vielseitigkeit ein erstaunlich breites Potenzial an eindrücklichen Weinen. Kommt hinzu, dass eine neue Generation von gut ausgebildeten Winzerinnen und Winzern heranwächst, welche die Scheuklappen endgültig abgelegt hat und das Weinmachen neu entdeckt. Welches Land hier gemeint ist, dürfte spätestens dann klar werden, wenn die Affiche genannt wird: Bielersee-Weine gegen den Rest der Welt. Und die Kreszenzen aus dieser Gegend können sich sehen und schmecken lassen und das durchaus im Vergleich mit Aromenbolzern aus Frankreich, Italien und Australien. Zugegeben, wir haben nur eine kleine Auswahl gekostet und ebenfalls zugegeben: nicht alle hiesigen Weingüter haben den Unterschied zwischen Qualität und Quantität begriffen. Doch die beiden Weingüter, die wir kennen lernten, profitieren von einem fliessenden Generationenwechsel und sorgen schon jetzt für erfreuliche Entdeckungen: Die Rede ist vom Weingut Krebs und vom Weingut Klötzli aus Twann!
Es degustierten: Markus Matzner und Madeleine Beyeler (Gastgeber), Monika Fürst, Pino Aschwanden, Toni Bichsel, Jack Germann, Hansjörg Niklaus.
Wo Austria drauf steht, ist Österreich drin. Einen Binsenweisheit. Dennoch hatten unsere Tester einige Mühe, die Sorten korrekt zu bestimmen. Das lag vielleicht auch daran, dass sich die Grenzen zwischen sortenreinen Zweigelt-Weinen und Blaufränkisch-Kreszenzen minimiert haben. Erstaunlich zum Zweiten war die Tatsache, dass die sonst hoch gehandelten Cuvée-Weine aus dem Burgenland eher verhalten abschnitten. Zumeist störte eine markante Säure das Gesamtbild. Ob das nur am 08er-Jahrgang liegt, muss noch überprüft werden.
Dennoch gab es spannende Einsichten und Erfahrungen. Alle Ergebnisse hier!
Es degustierten am 11.11.11: Monika Fürst (Gastgeberin), Jakob Germann, Susanne Saudan, Hans Matzner, Madeleine Beyeler, Christoph Egli, Flurin Durisch, Pino Aschwanden, Markus Matzner.
Dass Weine reifen müssen, bis sie ihr bestes Gesamtbild präsentieren, ist eine BInsenwahrheit. Und dennoch geht es den Weinfreunden überall gleich: Aufgrund der Angst, dass man die edle Flasche zu früh öffnet, wartet man gerne zu lang. Dann hat der Wein seine fruchtige Phase bereits hinter sich gelassen und donnert mit animalischen, rumtopfigen oder röstigen Aromen. Wir konnten wieder mal eine Palette von reifen Kreszenzen bekannter Güter testen und kommen zum alten Ergebnis: Viele dieser Flaschen wären früher besser gewesen. Kein Wunder also, dass ein Wein am höchsten bewertet wurde, der noch zu den Jungen gehört! Es ist ein Wein, der wie kaum ein anderer als Inbegriff schweizerischer Pinot-Qualität steht und der ebenso selten wie hochpreisig ist. Die Rede ist vom legendären Pinot noir aus Gantenbeins Keller, Jahrgang 2008. Wer ihn besitzt, der darf sich freuen und ihn auch jetzt schon mit viel Genuss geniessen!
Es degustierten: Flurin Durisch (Gastgeber), Jack Germann, Christoph Egli, Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Ralph Wettach, Markus Matzner
Immer, wenn Bordeaux das Thema ist, polarisieren die Ergebnisse. So auch dieses Mal. Im Fokus standen Weine aus dem Jahr 2009 und einige Beispiele des hochgelobten 2000ers. Wieder mal zeigte sich, dass trotz der medial in alle Winkel der Welt getragenen Superlative die Bordeaux-Weine heterogen sind. Einige Weine erreichten die Güte, die ihnen schon von Kindsbein angedichtet wurde, andere verlieren mehr Terrain als ihnen lieb sein kann. Diese gar nicht so erstaunliche Erkenntnis schleckt auch die genügsamste Geiss nicht weg, auch wenn der Markt jeden preislichen Looping mitmacht. So darf sich freuen, wer einen Lynch Bages, einen Giscours oder einen Léoville Poyferré aus dem Jahrhundertjahrgang 2000 sein Eigen nennt. Etwas anders sieht es aus, wenn man viel Geld für einen Léoville Barton ausgegeben hat und attestieren muss, dass er eigentlich nur durchschnittlich ist. Ganz bös wird es, wenn man (einmal mehr) merkt, dass man einer Marketing-Offensive erlegen ist und z.B. bei Mövenpick den Citran oder den L'inclassable subskripiert hat, weil die doch sooo preisgünstig sind. Diese Weine machen nur wenig Spass und als Käufer fühlt man sich zu Recht doppelt geprellt! Aber eben: Die Geschmäcker sind verschieden und jeder reagiert auf Marketing-Strategien anders. Unser Tipp daher: Nase und Gaumen auf beim Weineinkauf und Hände weg von Subskriptionen!
Quasi als Apéro sind auch drei Weisse in der Wertung. Einer, ein Sauvignon blanc aus der Bündner Herrschaft, schloss erfreulich ab.
Es degustierten: Ralph Wettach (Gastgeber), Susanne Saudan, Madeleine Beyeler, Pino Aschwanden, Flurin Durisch, Jack Germann, Markus Matzner
Für einmal brachte jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin einen Wein mit und schickte ihn ins Degu-Rennen. Natürlich blieben die Voten so kritisch wie üblich, dennoch konnten einige Weine nicht nur qualitativ, sondern auch preislich überzeugen. Quasi als Auftakt wurden drei Rosé-Weine probiert und bewertet. Sie erreichten zwar die Noten der Roten nicht, dennoch gab es auch da viel Wohlwollen. Mehr hier: WTCopen Mai11!
Es degistierten: Susanne Saudan, Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Pino Aschwanden, Jack Germann, Flurin Durisch, Jakob Nägeli, Markus Matzner
Wenn bei uns die klassische Bordeauxmischung auftaucht, scheint eine Polarisierung bei der Wertung unausweichlich. Nicht so dieses Mal. Da waren sich die Juroren erstaunlich einig. Vieleicht lag es aber auch daran, dass unter den ersten 5 Plätzen drei italienischen Weine liegen, die zum Teil nicht nur geschmacklich gefielen, sondern auch vom Preis her recht vernünftig berechnet sind. Die Ausmarchung gewinnen konnte ein Wein, der mit seinen Muskeln spielte, aber auch die verführerischen Attribute eines Gaumenschmeichlers verinnerlicht hatte. Zudem trägt er einen Namen, der erleuchtet: Lucente 2008 (von Mövenpick, Fr. 37.-).
Für Freunde kräftiger, tanniniger und wuchtiger Weine lohnt sich der Blick gleich doppelt...
Es degustierten im April 2011: Jack Germann (Gastgeber), Monika Fürst, Susanne Saudan, Pino Aschwanden, Hans Matzner, Christoph Egli, Ralph Wettach, Flurin Durisch, Markus Matzner
Stellen Sie sich vor: Sie erhalten 11 professionelle Beschreibungen von Weinen. Dazu in 11 Gläsern selbige Weine in beliebiger Reihenfolge. Nun suchen Sie für jede Beschreibung den passenden Wein. Eigentlich müsste diese Aufgabe einfach sein, würde man denken, schliesslich verfügen wir ja über Augen, Geschmacksknospen und Geruchsrezeptoren! Und einen Merlot von einem Malbec zu unterscheiden, das müsste doch möglich sein... Doch weit gefehlt: Die Trefferquote bei uns lag zwischen 10 und 40%.
Woran das liegt? Wohl weniger an den Weinen, als viel
mehr an den Beschreibungen. Denn die sind so subjektiv gefärbt, wie es
auch unsere eigenen Wahrnehmungen sind. Ergo stellt sich die
Gretchenfrage: Was bringen dann solche Weinbeschriebe? Unsere erste Antwort: Sie sorgen
mindestens für eine abendfüllende, muntere Diskussion...
Freilich wollen wir noch mehr in die Tiefe schürfen. Bevor wir daher zu den Ergebnissen kommen, zuerst die
Fakten: Aus dem erfolgreichen und jährlich erscheinenden "Weinseller"
von Chandra Kurt erhielten wir Degustatoren einen Beschrieb mit Namen
und Traubensorten. Drei Weisse und acht Rote mussten getestet und mit
den Beschrieben verglichen werden. Mindestens in einem Punkt gingen wir
mit der Autorin einig: Es gibt tatsächlich einige überaus beachtliche
Weinwerte unter 15 Franken. Ansonsten attestieren wir der fleissigen
Weinjournalistin ein hohes Mass an Fantasie und Ausdrucksfreude, müssen
jedoch den direkten Nutzwert ihres Werkes ein wenig in Frage stellen.
(So wie wir es freilich auch bei allen anderen Publikationen, inkl. der eigenen, tun). Mindestens kann man sich daran reiben und das ist
ja auch schon was.
Es degustierten: Pino Aschwanden (Gastgeber), Susanne Saudan, Madeleine Beyeler, Jack Germann, Rico Dettling, Ralph Wettach, Markus Matzner Datum 30.11.2010
Kraft und Muskelspiel scheinen den Menschen schon immer zu faszinieren. Dies gilt nicht weniger bei den Weinen. Auch da lässt man sich gerne von Kraftprotzen betören. Wenn die Sinnesorgane Forfait geben und das Knock-out droht, hat man was fürs Geld bekommen, so die landläufige Meinung. Dass bei diesen Bombern leider häufig die Finesse auf der Strecke bleibt, ist eine logische Folge. Kein Wunder vergeht die Lust auf ein zweites Glas. Aber aufgepasst: Nicht jeder Kraftprotz verliert automatisch an Eleganz! Dies zeigten einige Exemplare unserer letzten Degustation.
Am 19.5.2010 degustierten: Jack Germann (Gastgeber), Susanne Saudan, Hans Matzner, Pino Aschwanden, Flurin Durisch, Markus Matzner
Der Zufall wollte es, dass die letzten beiden WTC-Abende den beiden iberischen Nachbarn Spanien und Portugal gewidmet waren. Schnitten die spanischen Weine eher unter den Erwartungen ab und zeigten zudem, dass sie häufig preislich am Limit angelangt sind, gefielen die portugiesischen Kreszenzen augenscheinlich und konnten noch zudem auch preislich überzeugen. Zwei Degustationen, die einen vertieften Blick lohnen, zumal auch einige Trouvaillen dabei sind.
Es degustierten: Monika Fürst (Gastgeberin Portugal), Hans Matzner (Gastgeber Spanien), sowie Madeleine Beyeler, Susanne Saudan, Pino Aschwanden, Ralph Wettach, Jack Germann, Christoph Egli, Markus Matzner.
Das Motto klang nicht neu, dennoch stand der Wettstreit unter einem anderen Stern. So war es für das Degustationsteam absolut reizvoll, nebst den französischen Kreszenzen aus dem Süden (v.a. aus der Appellation "Côte du Rhône") auch andere Beispiele hoher Schaffenskraft zu probieren. Dementsprechend hoch fielen die Noten aus. Vier Weine mit über 80 Punkten gab es schon lange nicht mehr. Auch wenn es - zugegebenermassen - auch schon lange keine Süssweine auf diesem Niveau zu probieren galt. Sieger waren die Piraten aus anderen Ländern denn Frankreich. Aus Deutschland eine delikate Trockenbeerenauslese (Keller, Rheinhessen) und aus Australien ein Überbomber ("The fencelin"). Auf dem Bronzeplatz folgte der erste Franzose (ein Süsswein aus dem Hause Nairac). Doch die Weine aus Gallien brauchten sich nicht zu verstecken. Speziell die Beispiele aus Châteauneuf du Pape überzeugten durch ihre Fülligkeit und Dichte. Teilweise warteten wahrliche Kunstwerke auf die Tester, und konnten - wie zum Beispiel der wiederholt verkostete Clos de l'Oratoire - selbst in Sachen Preis/Leistung trumpfen.
Es degustierten: Flurin Durisch (Gastgeber), Monika Fürst, Pino Aschwanden, Jack Germann, Hans Matzner, Markus Matzner.
Zugegeben, der Titel suggeriert etwas viel. Tatsache ist jedoch, dass im letzten Clubabend elf Weine getestet wurden, von denen fast die Hälfte aus Frankreich stammen und weitere drei technisch oder traubenspezifisch ebenfalls mit der "grande nation" zu tun haben.
Vorweg genommen sei, dass tatsächlich ein französischer Wein oben ausschwang (ein wirklich herrlicher "Clos de l'oratoire des papes" zu einem Preis, der im Bereich Barriqueausbau als "gut" gelten darf). Ebenfalls soll erwähnt werden, dass im Bereich der Schaumweine der Champagner aus dem Haus Bertin von einem italienischen Prosecco ("Foss Marai") und vor allem einen deutschen Sekt ("Bacharacher Kloster Fürstental") haushoch geschlagen wurde.
Unterm Strich zeigt sich damit, dass die Weinwelt qualitativ zusammen gerückt ist. Eigentlich kein neuer Befund, aber einer, der uns KonsumentInnen nur Recht sein kann.
Es degustierten: Pino Aschwanden und Susanne Saudan (Gastgeber), Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Jach Germann, Flurin Durisch, Hans Matzner, Markus Matzner
Schon ein paar Mal gingen wir degustatorisch auf die Weine aus der südlichen Hemisphäre ein. Dennoch war es eine Premiere, südamerikanische Kreszenzen südafrikanischen gegenüber zu stellen. Nun, das Verdikt scheint klar: Die Podestplätze gingen nach Chile und Argentinien. Speziell der Argentinier gefiel auch preislich und darf als Schnäppchen gehandelt werden!
Doch so einfach ist es auch wieder nicht. Denn die Besten aus Mandela-Land können sich durchaus sehen und schmecken lassen und wurden nur knapp vom "Stockerl" verdrängt. Mit anderen Worten lässt sich sagen, dass sich die vielfach sehr kräftigen und schmeichelhaften Weine aus Südamerika nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen dürfen. Auf der anderen Seite sollten sich die südafrikanischen Winzer ihr Renommée nicht durch fragwürdige Weine zerstören...
Es degustierten: Jack Germann (Gastgeber), Hans Matzner, Flurin Durisch, Ralph Wettach, Markus Matzner
Nicht zum ersten Mal versuchten die Tessiner Weine in unserem Club zu überzeugen. Bislang gelang es ihnen nur teilweise und hinterliessen nicht selten einen etwas uneinheitlichen Eindruck. Dieses Mal überzeugten sie jedoch weit eindeutiger als in früheren Jahren. Das mag mit den jüngsten Jahrgängen zu tun haben (speziell der 06er bei den Roten), wohl aber auch mit der generellen Weinqualität. Dennoch sei auch erwähnt, dass es keinen Überflieger gab und viele Weine zwar sehr gut abschnitten, aber nicht über 80 Punkte kamen, was hervorragend bedeutet hätte. Wie immer heisst dies nicht, dass es nicht einzelne Bewertungen gab, die in diese Sphären vorstiessen, aber im Schnitt von insgesamt sieben Degustatoren gab es doch zu viele Bremser! Dies ist ein klares Indiz, dass die Weine Liebhaberweine sind und Charakter besitzen. Dafür sind sie eben nicht allzu leicht verständlich und massentauglich. Erfreulich war ausserdem, dass wir sehr wohl auch Merlots aus dem Barrique verkosteten, die auch preislich überzeugten. Bei den Weissen lagen die Noten etwas tiefer als bei den Roten. Dies mag auch damit zu tun haben, dass sie sich zu sehr einem Massengeschmack anzugleichen versuchen und zu wenig Charakteristik besitzen. Freilich gab es auch hier Ausnahmen...
Die Weissen auf einen Blick: klick! Die Roten: hier!
Es degustierten: Ralph Wettach (Gastgeber), Jack Germann, Pino Aschwanden, Flurin Durisch, Madeleine Beyeler, Christoph Egli, Hans Matzner & Markus Matzner
So unterschiedlich die geschichtlichen und kulturellen Bedingungen für den Weinbau auch sein mögen, in einem Punkt haben die beiden Länder ähnliche Vorlieben entwickelt: Deutsche wie österreichische Winzer lieben die kräftigen und aromatischen Rieslingweine, die sich mittlerweile auch nicht scheuen, markante Säuren stehen zu lassen und harmonisch einzupacken. An der Mosel, am Rhein wie an der Donau entstehen somit wunderbare Beispiele, die der Königin der Weissweinsorten alle Ehre bezeugen. Auch auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen, zeigte sich einmal mehr, dass klassisch ausgebaute Weine nicht selten die hochtrabenden Gewächse nicht nur preislich in den Schatten stellen.
Ein interessantes, im Ergebnis aber noch nicht so überzeugendes Bild ergeben die in beiden Ländern anzutreffenden Bemühungen, dem roten König der Weinzunft Herr zu werden: dem Pinot noir. Hier werden einerseits die klimatischen Möglichkeiten ausgereizt, dazu aber auch die önologisch-technischen. Kein Wunder, dass ein sorten-untypischer Vertreter oben ausschwang. Unterm Strich können sich die an diesem Test nicht beteiligten Schweizer Pinot-Winzer für einmal beruhigt auf ihr Knowhow verlassen und müssen den Vergleich nicht scheuen.
Es degustierten: Hans Matzner (Veranstalter), Flurin Durisch, Jack Germann, Pino Aschwanden, Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Markus Matzner
Mediterrane Inseln sind längst kein Geheimtipp mehr, wenn es um Wein geht. Dementsprechend gute Bewertungen konnten die Gewächse, die auf Mallorca, Sardinien oder Sizilien wachsen, einfahren. Zu oberst auf dem Treppchen präsentierte sich ein Wein aus Mallorca, der trotz seines nicht unerheblichen Preises auch in der Preis-Leistuns-Wertung glänzen konnte: der Sio Crianza der Bodegas Ribas (Bild). Ein Weinwert, den man sich für genussvolle Stunden merken kann. (Baur au Lac, Fr. 28.-) Dahinter kam ein Wein zu liegen, dem man vieles gegeben hätte, aber nicht die Sorte Pinot noir. Ein Beispiel, dass die Weinwelt im Zuge der Klimaerwärmung nicht nur nordwärts wächst, sondern dass auch cool-climate-Trauben im heissen Süden erstaunliche Ergebnisse zeitigen. (Cusumano, Sizilien, Fr. 29.50 bei Ritushauser). Bester Weisswein wurde eine sizilianische Assemblage von Catarratto und Viognier: Für Fr. 15.80 im Globus erhältlich und einen vertieften Blick wert. Knapp dahinter zeigte ein Vermentino von Sardinien, was in dieser Sorte steckt. (Costamolino, Coop, 14.80)
Unterm Strich darf festgehalten werden, dass sich Weine, die zwanzig und mehr Franken kosten, mituntern recht anstrengen müssen, um die Preiskategorie zwischen 13 und 19 Franken in Schach zu halten. Oder anders herum: in aufstrebenden Gegenden findet man immer wieder wunderbare Kreszenzen zu vernünftigen Preisen...
Es degustierten: Monika Fürst (Gastgeberin), Susanne Saudan, Madeleine Beyeler, Pino Aschwanden, Jack Germann, Markus Matzner
Sein Stern ging in den 80er Jahren auf und nun strahlt er mit gleichbleibender Intensität seit über 20 Jahren! Der Kult um den Amarone bescherte den Winzern aus dem Umfeld von Verona traumhafte Umsätze und führte - frei nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage - zu immer höheren Preisen. Aber, und das muss auch betont werden, die Machart dieses Weins ist aufwändig und risikobehaftet. Monatelang trocknen die Trauben vor sich hin, bevor sie abgepresst und vergoren werden, sind chemischen und physikalischen Störprozessen ausgesetzt und kämpfen gegen Botrytis-Pilze. Trotzdem gelingt es den Winzern immer wieder, betörende Aromen zwischen Kirschen und Bittermandeln, zwischen balsamischen Tönen und Röstaromen hervorzulocken. Kenner wissen: Amarone ist eine fabelhafte Medizin gegen alle Arten von Kälte und vermag selbst einer nebligen Winternacht eine heilige Wärme abzutrotzen. Und das macht ihn so speziell! Auch dessen kleinerer Bruder, der Ripasso, der so heisst, weil man ihm im Januar mit den abgepressten Amarone-Schalen eine zweite Gärung angedeihen lässt, hat seine Reize und gefällt zudem dank seines erschwinglichen Preises.
Im Zuge des letzten WTC-Abend standen diese beiden Weingruppen aus dem Valpolicella auf dem Prüfstand. Zu unserer grenzenlosen Überraschung mussten wir ein Vorurteil revidieren! Es gibt sie doch: erschwingliche Amarone, die komplett überzeugen...
Alle Ergebnisse auf einen Blick: hier. Weiter Infos über das Valpolicella sowie über die wichtigsten Traubensorten: hier!
Es degustierten: Madeleine Beyeler (Gastgeberin), Monika Fürst, Susanne Saudan, Pino Aschwanden, Flurin Durisch, Christoph Egli, Jack Germann, Hans Matzner, Ralph Wettach, Markus Matzner.
Was ging doch anfangs der neunziger Jahre ein Raunen durch die Weinwelt, als sich der träge Koloss am Golfe du Lion erhob und sich anschickte, vermehrt Klasse statt Masse zu produzieren. Über 15 Jahre später erscheint das Languedoc noch immer als verheissungsvolles Weinparadies, das sich geschickt mit unseren Ferienerinnerungen vermischen lässt. Nur können sich die Weine auch "blind" schmecken lassen und unsere Gaumen in Schwingungen versetzen? Um es kurz zu machen: einigen Weinen gelang dies. Am besten gefiel der Clos des Truffiers, ein seidiger Syrah, der aber auch preislich umwarf: kostet eine Flasche doch sage und schreibe 128 Franken! Dahinter aber gibt es einige Gewächse, die das Portemonnaie schonen und dennoch viel Qualität mitbringen. Speziell bei den weissen Viognier gibt es empfehlenswerte Tropfen. Schwerer taten sich die klassischen Rotweine, die mit ihren Assemblagen aus Mourvèdre, Syrah und Grenache nur teilweise überzeugten.
Es degustierten: Pino Aschwanden (Gastgeber), Susanne Saudan, Madeleine Beyeler, Hans Matzner, Christoph Egli, Jack Germann, Flurin Durisch, Markus Matzner.
Nicht zum ersten Mal standen diese Sorten im Zentrum unserer Aufmerksamkeit. Bei den Chardonnays gewann ein Wein, der für burgundische Verhältnisse sogar preislich überzeugte. Bei den Roten schwang nicht zum ersten Mal ein Piraten oben aus. So errang ein Shiraz aus Chile fast 82 Punkte und durfte den Tagessieg feiern. Übrigens zu einem Preis, der den Kauf von ein paar Flaschen fast legitimiert. Alle Details finden Sie hier!
Es degustierten: Jack Germann (Gastgeber), Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Hans Matzner, Ralph Wettach, Flurin Durisch, Markus Matzner.
Das Motto des letzten Weinclubs war auf dem Papier klar: kleine Weine gegen grosse! Oder anders formuliert stellte sich die Frage, ob günstige Weine gegen Etikettenweine mithalten können. Die Antwort fiel für geneigte Verfolger unserer alten These, wonach alles über Fr. 25.- überzahlt sei, zu ihrem Leidwesen uneinheitlich aus. In der Tat schwang ein Wein obenaus, der angesichts seines Preises "verdammenswürdig" wäre: Fünfundfünfzig Franken kostet eine Flasche des Don Maximiano - Founder's Reserve. Doch er war tatsächlich so gewaltig, dass nur noch Superlative übrig blieben. Dahinter jedoch - und das freut nicht nur das durch die Bankenkrise geschundene Portemonnaie - stemmte sich gleich eine ganze Phalanx gegen die Vorherrschaft der Etikettenweine. Drei zwischen 14.60 (!) und 24.50 erhielten über 80 Punkte! Meister aller Klassen wurde damit der heimliche Star unseres Weinclubs: der Merlot "Marques de Casa Concha" aus dem Hause Concha y Toro! Dahinter folgten der spanische "Contado de Haza" (Ribera del Duero) und der "Grand Barossa" aus Australien. Fünfter - und damit angesichts seines Preise auf zu tiefem Niveau - schloss der "Vega Sicilia Unico" aus dem Jahr 91 ab. Gut, werden kritische Geister bemerken, er hat seinen Zenit wohl schon überschritten und wäre vor einigen Jahren besser gewesen. Nur billiger war er auch damals nicht wirklich... Nachdenklich stimmend schnitten einmal mehr die Bordeaux-Weine ab. Lediglich der unbekannte "Château Montfollet" überzeugte preislich und qualitativ, schlimmer erging es dem "Léoville Barton" aus dem Jahr 2001. Ein knappes Gut kann bei achtzig Franken (!) nicht genügen und tröstet auch nicht über die Möglichkeit hinweg, dass er noch etwas zulegen wird.
Es degistierten: Flurin Durisch (Gastgeber), Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Susanne, Saudan, Jack Germann, Christoph Egli, Pino Aschwanden, Markus Matzner.
Was taugen sie, die neuen Sorten? Und wie schlagen sie sich im Vergleich zu altbekannten Varietäten? Dass sie ökologisch Sinn machen, daran zweifelt niemand. Denn die neuen Sorten sind in der Regel pilzwiderstandsfähig, müssen daher weniger häufig mit Pestiziden und Chemikalien behandelt werden, was auch uns zu Gute kommt. Nur kann man diese Weine auch trinken? Die Antwort auf diese Frage fällt uneinheitlich aus und lässt sich auf zwei Tenenzen reduzieren: • Zum einen gibts Sorten, die einfach zu wenig hergeben, um einen durchschnittlich geschulten Gaumen zu befriedigen. Oder anders gesagt lohnt sich bei einigen Weinen die Mühe nicht, die dahinter steckt. Zu diesen "leider nein"-Weinen müssen die Sorten gezählt werden, die schon einige Jahre vorhanden sind, aber noch nie wirklich auftrumpfen konnten. Dazu gehören Garanoir, Maréchal Foch, Regent und wohl auch Dornfelder. • Doch daneben gibt es Rebsorten, deren Weine nicht nur durch ihre
Machart gefielen, sondern geradezu erstaunten. Mit anderen Worten tun
sich da wirklich Nischen auf, die spannend und wohl auch
zukunftsträchtig sein können. Ins "Recall" kommen somit neue Sorten, die solo oder im Duett überzeugen: zum Beispiel Cabernet Dorsa (Bild) und Cabernet Cubin bei den Roten sowie Solaris und Johanniter bei den Weissen. Zu reden gab die erstaunliche Assemblage von Cabernet Cubin mit Malbec(!) aus einem Rebhang beim zürcherischen Oberengstringen (Zweifel). Dieser Wein konnte durchaus mit einem argentinischen und einem chilenischen Malbec mithalten und darf als preisgünstig betrachtet werden (Fr. 24.50)! Doch auch bei den Weissen sieht die Sache interessant aus: Neue Sorten und die Kombination mit älteren (z.B. Vidal mit Johanniter) schmecken spannend. Hoch (und dies bereits zum zweiten Mal) wurde der Solaris von der Staatskellerei bewertet. Dank seiner frisch-fruchtigen, exotischen Grapefruit-Note ist er durchaus mehrheitsfähig. Etwas ratlos hinterliess uns der Cabernet Jura (Staatskellerei). In Nase und Gaumen kam er wie ein Weisser daher, dabei steckt er in tiefrotem Gewand. Quasi ein Transvestit! Die Degustatoren taten sich schwer...
Es degustierten: Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Pino Aschwanden, Flurin Durisch, Sascha Felix, Jack Germann, Hans Matzner, Markus Matzner (Gastgeber)
Es ist noch nicht so lange her, da rümpfte der geneigte Weinfreund die Nase, wenn er - einmal mehr - einen biologisch angebauten Tropfen trinken sollte und merkwürdige Aromen sowie den Hauch von Wolle und Bast vorfand. Doch diese Zeiten sind passé! Das zeigte auch der jüngste Clubabend, der sich den biologischen Weinen widmete. Es kamen durchaus füllige Kreszenzen, solche mit Herz und Charakter, in die Gläser, die gefielen und hohe Noten ergatterten. Allerdings - und das ist die Kehrseite der Medaille - schnitten mit Abstand diejenigen Weine hoch ab, die das Portemonnaie arg beuteln. Der beste der getesteten Tropfen kostete sage und schreibe 46 Franken, der zweite gar 52.- und der dritte immerhin noch 28 Franken (was bei einem Weisswein, der nicht im Barrique ausgebaut wurde, auch sehr hoch ist). Sieger wurde der "Neromoro" aus der Montepulciano d'Ambruzzo-Traube (Baur au Lac, Fr. 46.-) Zweiter wurde der "Desierto" (Cabernet Sauvignon, Delinat, Fr. 52.-) Auf den dritten Rang kam ein Gewürztraminer von Zind Humbrecht (Martel, Fr. 28.-)
Es degustierten: Susanne Saudan und Pino Aschwanden (Gastgeber), Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Jack Germann, Flurin Durisch, Sascha Felix, Markus Matzner.
Dass Griechenland eine der Wiegen unserer Kultur ist, dürfte unumstritten sein. Dennoch gelten Hellas' Weine nach wie vor wenig, obschon es wohl Griechen waren, die im Süden Italiens und auf Sizilien mit dem Weinbau begonnen hatten. Der WTC ging der Frage nach, ob griechischer Wein unter seinem Wert geschlagen wird:
Bei den Weissen (getestet wurden Muskateller und ähnliche Sorten) konnten die griechischen Weine durchaus mithalten. Bei den Roten landete der "Mavrotragano" unter "ferner liefen". Sicher nicht repräsentativ dieses Ergebnis, aber interessant!
Es testeten: Nathalie Gauer, Hans Matzner (Gastgeber), Flurin Durisch, Madeleine Beyeler, Jack Germann, Pino Aschwanden, Susanne Saudan, Markus Matzner
Es mag als Binsenweisheit daherkommen, aber die spanischen und portugiesischen Winzer tragen viel dazu bei, dass uns Nordländern das Weinherz aufgeht. Freilich kann man stets bemängeln, dass sie überkonzentrierte und megafüllige Weine produzieren und dass der Klimawandel schon bald problematische Auswirkungen zeitigen wird, sollte die Konzentration noch weiter zunehmen. Doch wollen wir für einmal nicht in die Unkenrufe einstimmen, sondern uns an den zumeist schönen und gutgemachten Tropfen erfreuen, auch wenn wir von Jahr zu Jahr tiefer ins Portemonnaie greifen müssen, um sie zu erstehen. Immerhin schnitten bei uns zwei Weine am besten ab, die auch im Preis-Leistungs-Verhältnis gefielen. Einer kommt aus Spanien, der andere aus Portugal. Schöne iberische Nachbarschaft also...
Es degustierten: Christoph Egli (Gastgeber), Jack Germann, Pino Aschwanden, Hans Matzner, Flurin Durisch, Markus Matzner, sowie Susanne Saudan, Monika Fürst, Madeleine Beyeler.
Als Auftakt degustierte der WTC drei Gewürztraminer. Einer kam - man höre und staune - aus dem Zürcher Weinland. Und dieser Wein aus dem Haus Zahner überzeugte sogar am meisten. Bravo und weiter so!
Was Rubens in der Malerei sind österreichische Weine im Gaumen. Sie wirken üppig und füllig, barock und gewaltig und ziehen uns in ihren Bann. Doch manchmal versiegt nach dem zweiten Schluck die Lust auf noch viel mehr. Speziell die Cuvées reizen die Sinne aus und wirken gleichermassen perfekt wie (zu) opulent. Dass Österreicher eine Schwäche für barocke
Dimensionen haben, ist bekannt. Dass sich diese Vorliebe auch auf die
Weine niederschlägt, ist daher nur eine logische Folge. Peter Paul
Rubens lässt mit seinem "Bacchus" grüssen... Dennoch gibt es Weine, die es schaffen, das Übermass zu vermeiden und uns in ein önophiles Nirvana entführen. Auch von solchen soll hier die Rede sein.
Süssweine ...sind eine Welt für sich. Der WTC hat eine Handvoll probiert und war bisweilen verzückt... (Zugegeben nicht alle Tester gleichermassen, aber das ist angesichts ihrer Individualität nicht weiter verwunderlich.)
Für einmal stand nicht ein Thema im Vordergrund eines WTC-Abends, sondern jeder Teilnehmer/ Jede Teilnehmerin brachte einen persönlichen Favoriten mit, um ihn den kritischen Gaumen der Anwesenden auszuliefern. So viel sei vorweg genommen: Keiner der Weine enttäuschte, aber manch einer überraschte!
Die Roten: Sie haben Wucht, Fülle und überbordende Aromen. Und sie gefallen auch blind! Die spanischen Weine (alle aus der Weinhandlung Casa del Vino, Zürich) haben sich schon verschiedentlich durch ihre Qualität ausgezeichnet. Dennoch, so muss angefügt werden, neigen gewisse Winzer in den Boom-Regionen (wie Priorat) dazu, vor lauter Kraft die Finesse zu vergessen. Adstringenz gefällt bekanntlich nur, wenn als Gegenpart Säure, Schmelz und Geschmack ausreichend vorhanden sind. Genau das liessen einige vermissen. Preislich bewegen sie sich - wir habens schon hinlänglich moniert - in Sphären, die das Schlucken nachhaltig erschweren!
Die Weissen: Die Verdejos sind absolute Gaumenschmeichler für heisse Tage. Unsere Beispiele haben gefallen, auch wenn sie nicht vorbehaltlos oben aus schwangen. Hierzu waren sie zu bitter oder aufgesetzt im Abgang. Wie sehr das Barrique bei diesen Weinen Sinn macht, kann lange diskutiert werden. Der "belondrade y Lurton" überzeugte die meisten Degustatoren nachhaltig, obgleich kaum einer diesen Wein kaufen würde... Irgendwie auch seltsam oder?
Alle Weine auf einen Blick (nach Sorte geordnet): hier.
Es degustierten: Jack Germann (Gastgeber), Susanne Saudan, Madeleine Beyeler, Pino Aschwanden, Flurin Durisch, Hans Matzner, Markus Matzner.
Es war ein Test - und der brachte verschiedene Ergebnisse: Zum einen sind Weine, die vor einigen Monaten überzeugten, nicht automatisch immer noch Spitze. Und dann schneiden Favoriten und alte Bekannte plötzlich schlecht ab, weil die neuen Jahrgänge noch nicht einlösen, was die Altvorderen versprachen. Wie auch immer: Nicht alles, was gut und teuer ist, kann die Lorbeeren behalten, doch mitunter sind die teuersten doch die besten! Weniger abstrakt und nachvollziehbarer: wir haben quer durch den Weingarten degustiert und einige Weisse und Rote gefunden, die unbedingt in den Keller gehören. Daneben fanden wir auch einige Weine, die eine Sünde wert sind und solche, die mehr für Etikettentrinker taugen.
Es degustierten: Madeleine Beyeler und Markus Matzner (Gastgeber), Flurin Durisch, Monika Fürst, Jack Germann, Christoph Egli, Hans Matzner, Christian Rensch.
Klare Sieger unserer Degu wurden die Weissweine! Ein Silvaner (an der Rhône Johannisberg genannt und aus dem Haus Serge Roh) gefiel am besten, dicht gefolgt von einem Petite Arvine von Rouvinez (Château Lichten). Dritter wurde ein Amigne (Germanier), dahinter ein Heida (Provins, M. Gay). Auch wenn die absoluten Noten nicht berauschend waren: Die Spezialitäten gefielen und konnten teilweise auch preislich überzeugen. Abgeschlagen und eigentlich nur noch eine Erinnerung aus der Reduit-Schweiz: die Fendants. Am härtesten traf es Marie-Thérèse Chapaz: Ihr "Coteaux de plamont" gefiel nur auf dem Etikett, auf dem das Konterfei der Winzerin abgebildet ist. Fast noch schlimmer sah es für die Roten aus. Zugeben, viele der besten Walliser-Weine waren ausverkauft, sodass unser fleissiger Gastgeber teilweise die zweite Reihe bemühen musste. Was die jedoch bot, war nicht selten eine Enttäuschung! Mit anderen Worten: Traue keinem Syrah, nur weil Adrian Mathier draufsteht. Und sei vorsichtig mit einem Pinot - selbst wenn Gregor Kuonen verantwortlich zeichnet.
Es degustierten: Susanne Saudan und Pino Aschwanden (Gastgeber), Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Jack Germann, Ralph Wettach, Flurin Durisch, Markus Matzner.
Nicht nur unsere Ladys waren angetan, sondern auch die Herren in der Runde. Wo Penfold's drauf steht, ist eben Penfold's drin - egal bei welchem Wein. Doch aus dem fünften Kontinent kommen auch viele andere Weine, die zu gefallen wissen - auch wenn sie nicht selten sehr teuer erscheinen. Dennoch besitzt Australien auch viele günstige Weine und die verzaubern nicht selten die Degustatoren (vor allem wenn sie blind verkosten). So machte - einmal mehr - ein Wein seine Aufwartung, den wir schon ein paar Mal hoch bewertet haben, obwohl er nur knapp über Fr. 10.- kostet: der Shiraz von "Hardy's Crest". Unser Urteil: Australien und vor allem seine Shiraz-Weine überzeugen, aber verlangen die grosse Geldbörse...
Es degustierten: Flurin Durisch (Gastgeber), Susanne Saudan, Monika Fürst, Jack Germann, Hans Matzner, Pino Aschwanden, Christoph Egli, Markus Matzner.
Marketing ist bekanntlich ein Synonym für Verschleierung dank Fokussierung. Was etwas sperrig klingt, bedeutet in unserem Zusammenhang bunte Weinprospekte mit vollmundigen Werbetexten, die das blaue vom Weinhimmel versprechen und uns Konsumenten unter Druck setzen wollen, ja kein Schnäppchenangebot zu verpassen... Dass Papier bekanntlich geduldig ist, aber unsere Zungen und Nasen nicht bestechlich, mussten einige dieser hochgelobten Weine erfahren, die wir anlässlich des Januar-WTC probieren konnten.
Es degustierten: Monika Fürst (Gastgeberin), Madeleine Beyeler, Pino Aschwanden, Hans Matzner, Jack Germann, Flurin Durisch, Markus Matzner.
Angesagt waren Bordeaux-Weine aus dem legendären Jahr 2000. Selten zuvor waren die internationalen Spitzenkritiker so überschwänglich und einhellig bereit, mit Superlativen zu operieren. Parker wie Gabriel verteilten maximale Punktbewertungen (z.B. bei Latour) und heizten damit den Markt derart ein, dass die Preise in die Höhe schnellten, als wären sie Mondraketen. Dies freilich sehr zum Leidwesen der Liebhaber, die plötzlich ihr reserviertes Subskriptionsbudget massiv überziehen mussten, um nur schon mittelgewichtige Weine zu bekommen. Nicht wenige Weinfreunde machten die Faust im Sack und gelobten sich, bei diesem Spiel nicht länger der Tubel zu sein und fürderhin die Subskriptionsprospekte zu meiden... Nichtsdestotrotz investierte unser edler Gastgeber und Spender, Ralph Wettach, viel Geld und liess es sich nicht nehmen, uns 15 edle Tropfen zu kredenzen. So viel sei verraten: teilweise liessen die Weine die Zungen der Blinddegustatoren schnalzen. Aber auch dieses Mal setzte sich unsere alte Erkenntnis durch, dass mit Ausnahme des Siegerweins (besagter Latour) bei weitem nicht die teuersten Tropfen oben aus schwangen. Mit anderen Worten bieten Weine im Bereich von 30 - 40 Franken durchaus ein ähnliches Trinkvergnügen wie die ab 80 Franken.
Es degustierten: Ralph Wettach (Gastgeber), Monika Fürst, Susanne Saudan, Pino Aschwanden, Flurin Durisch, Hans Matzner, Markus Matzner.
Nicht selten braucht es Konkurrenz aus dem Ausland, bis man einer einheimischen Sorte mit grösserer Achtung begegnet. Das war auch beim Syrah nicht anders, der zuerst in Australien für Furore sorgte, bevor ihn die Winzer vom Rhônetal wieder entdeckten und förderten. Heute gelten diese Weine als Vorzeige-Produkte und honorieren ihre Nachfrage mit einem dementsprechenden Preis, was freilich die Winzer freut. So gross auch der Beifall von einflussreichen Kritikern wie Parker und anderen ausfällt, er ebbte im Rahmen unserer Degustation etwas ab. Zwar fanden auch wir einige - teilweise sogar preislich - bemerkenswerte Tropfen, doch wir fanden auch anderes: Weine, bei denen wir uns wirklich fragen mussten, mit welcher Begründung sie über zwanzig Franken kosten. Zu den Syrahs gesellten sich passenderweise drei Viogniers, die ebenfalls gewisse Fragezeichen hinter liessen, auch wenn einer sehr gut abschnitt.
Es degustierten: Hans Matzner (Organisator), Susanne Saudan, Madeleine Beyeler, Jack Germann, Pino Aschwanden, Christoph Egli, Markus Matzner.
Der Jahreszeit gemäss liess sich der WTC von sommerlichen Weinen verzücken. Zumindest war das die Absicht. Nun, wie immer, wenn man mit zuviel Vorfreude und Erwartungen in eine Degustation schreitet, relativiert das Gebotene die Hoffnung. Nicht, dass die Schaumweine und die Rosé-Weine aus vier Ländern nicht teilweise gefielen. Aber sie zeigten auch, dass der kritische Gaumen (also der Gaumen, der die Ferienstimmung analytisch hinter sich gelassen hat...) noch Verbesserungspotenzial ausmachen kann...
Auch sommerlich, aber allzu unkritischen Feriengefühlen stand haltend, präsentieren sich die Weine aus einer Region, die für viele das Sommer-Mekka schlechthin ist: die Toskana. Hier wachsen seit Generationen Weine heran, die mit ihrer typischen Art und ihren bisweilen recht rustikalen Tanninen und Säuren zu mehr als für flüchtige Momente gemacht sind. Gerade die Weine, die nebst Sangiovese auch andere Sorten wie Cabernet oder Merlot aufweisen, lassen die Herzen der Weinfreunde höher schlagen. Doch auch da gilt (leider): nicht alles ist Gold, was über 30 Franken kostet... Dafür gibt es Weine, die weniger kosten und sehr gut gefallen. Speziell einer, der erst noch die "Tränke der Wildschweine" heisst (Insoglio del cinghiale), gefiel schweinisch gut!
Wie eingangs erwähnt, testete sich der WTC anlässlich seines Juni-Abends wieder mal durch Schweizer Kreszenzen. Fanden wir auch schon zu früheren Zeiten immer wieder gute Tropfen, schnitt diese Degu sehr hoch ab und konnte drei Weine in den 80er-Punkten platzieren (was hervorragend bedeutet und internationales Format attestiert). Weitere vier Weine erhielten das Prädikat "sehr gut" und erstaunlich viele gefielen auch preislich.
Zudem erwähnenswert ist die Herkunft dieser Weine! So kommen sie zur Hauptsache aus den Kantonen Zürich und Aargau, was beweist, dass man hier vorwärts macht. Wir sind auf jeden Fall sehr gespannt, was da noch folgen wird...
Das Degu-Team: Susanne Saudan und Pino Aschwanden (Gastgeber), Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Simone Ulrich, Jack Germann, Christoph Egli, Markus Matzner.
Namen haben sie ja zum Verlieben: Meerlust oder Allesverloren, Vergelegen oder Veenwouden. Dazu kommt eine Landschaft, die Atem beraubend ist. Kurz die südafrikanische Weinwelt ist ein Besuch wert. Und weil unser Gastgeber Flurin kürzlich da weilte, kredenzte er eine illustre Weinrunde, die aber auch die Schattenseite der Boomregion nicht verhehlen konnte, die Tatsache nämlich, dass die Winzer leider sehr schnell zu recht hohen Preisen tendieren. Klar, Ausnahmen gibt es auch da viele und gerade den Preis-werten Tropfen gilt ja unsere spezielle Suche.
Gewonnen haben aber die hochdekorierten Weine, die über 40 Franken kosten. Der Sieger: Meerlust Rubicon (Fr. 44.-) - ein Wein, der trotz seiner erstaunlichen Salzigkeit überzeugte. Bei den Weissen schnitt ebenfalls der teuerste Wein am besten ab: Der "Vergelegen White", ein Verschnitt aus Sémillon und Sauvignon blanc (Fr. 55.-).
Degustieren ist bekanntlich anstrengend und daher nicht nur reines Vergnügen. Nach getaner Arbeit sind die Sinne erschöpft, aber auf ihre Rechnung gekommen. Der Mensch dahinter bisweilen auch. Als Faustregel gilt: Je schwieriger die Degu-Runde, desto mehr gleicht der Tisch hernach einem Schachtfeld. Die Südafrika-Runde schien anstrengend gewesen zu sein..
Es degustierten: Flurin und Anna Durisch (Gastgeber),
Monika Fürst, Susanne Saudan, Madeleine Beyeler, Ralph Wettach, Pino
Aschwanden, Jack Germann, Christoph Egli, Markus Matzner.
In frühsommerlicher Atmosphäre probierte der WTC anlässlich seines Aprilabends eine Hand voll Sancerres und eine Palette von Roten, die teilweise nicht nur spannend, sondern auch erstaunlich preiswert waren. Bei den Weissen überzeugte just der billigste Wein am meisten: Für Fr. 12.95 im Denner erhältlich ist der Sauvignon blanc aus dem Haus Raimbault (Cuvée prestige).
Bei den Roten kam der "Ostatu" zu Ehren (aus dem Haus Casa del Vino), der für Fr. 25.- sehr viel bietet. Hinter dem teuersten Vertreter (Alion, Fr. 68.-) kamen zwei Carmenère-Schmeichler aus dem Haus Errazuriz (Chile) auf die weiteren Plätze, die auch preislich gefallen.
Degustiert haben: Susanne Saudan, Christoph Egli (Veranstalter), Jack Germann, Pino Aschwanden, Urs Raschle, Flurin Durisch, Hans Matzner, Markus Matzner.
Rieslinge und Merlots waren angesagt und versprachen daher interessante Einblicke in zwei Weinwelten. Während bei den Rieslingen das renommierte Weingut Dr. Loosen (Bernkastel an der Mosel) einen Doppelsieg erringen konnte (bei zugegeben kleiner Konkurrenz), war das Bild bei den Merlots weit weniger einheitlich. Überhaupt zeigte sich einmal mehr, dass einige spannende Weine an einer Geschlechterunverträglichkeit leiden. Während die Männer die animalisch-balsamischen und mit edlen Röstaromen aufwartenden Weine lobten, fielen sie bei den Damen durch, was zwangsläufig relativ tiefe Mittelwerte ergab. Erstaunlicher, um nicht zusagen beängstingender "Pirat" war ein bulgarischer Merlot, der sich als australischer Wein ausgab und durchaus im Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugte!
Es degustierten: Simone Ulrich, Monika Fürst, Susanne
Saudan, Madeleine Beyeler, Jack Germann (Gastgeber), Pino Aschwanden,
Ralph Wettach, Flurin Durisch, Markus Matzner.
Syrah, bzw. Shiraz war angesagt, und Syrah war drin. Die wuchtigen Kerle gefielen dank ihrer unnachahmlichen Art, mit ihrem Cassis, den Kräuteraromen und ihrer Lebkuchenwürzigkeit. Doch daneben gab es auch feinere und superbere Töne (freilich aus der alten Welt), die es durchaus zu beachten galt. Sieger wurde ein Schweizer Wein. Oder korrekter: der Wein eines Schweizers, nämlich der "Hess Select" aus den USA. Erstaunlich, trotz Herkunft und Tamtam, sein Preis: Fr. 22.- (Globus). Bei den Weissen hiess das Motto Chardonnay und es präsentierten sich drei günstige Weine, die teilweise zu gefallen wussten, auch wenn angesichts ihres Preises nicht wirklich glaubhaft war, dass sie ein Barrique von innen gesehen hatten. (Viel eher badeten sie in Eichenchips...). Sieger: Moore's Creek aus Australien (Denner Fr. 8.95!)
Für einmal waren sich (fast) alle Testerinnen und Tester einig. Ein Wein schnitt mit Abstand am besten ab. Er stammt aus La Morra und trägt den schönen Namen "Ciabot du Re". Er kommt aus dem Haus "Fratelli Revello", aber ist weder Barolo noch ein Barbaresco. Sondern er hält die Standarte für eine Sorte hoch, die noch vor wenigen Jahren als Armeleute-Traube verschrieen war: die Barbera! Zweiter wurde ein Barolo aus demselben Weingut, was doch überrascht, da die aus der Nebbiolo-Traube gekelterten Weine nicht nur polarisierten, sondern häufig auch zwischen den Geschlechtern differenzierten. Bester Weisser (aus vier Norditalienern) wurde ein Moscato Giallo aus dem Südtirol (Manincor).
Einmal mehr wurde klar, dass die Weine aus dem Piemont einen hohen Qualitätsstandard besitzen. So schnitten acht Weine innerhalb von vier Punkten mit "sehr gut" ab! Selbst die Preis-Diskussion war angesichts der Barbera-Weine nicht ganz so Piemont-typisch. Leider ist es gar nicht so einfach, diese günstigen Weine in der Schweiz zu bekommen...
Getestet haben: Madeleine Beyeler (Gastgeberin), Monika Fürst, Simone Ulrich, Jack Germann, Flurin Durisch, Hans Matzner, Ralph Wettach, Markus Matzner.
Das waren noch Zeiten, als die österreichischen Weine verlacht und als saure Möste abgetan wurden - so sie nicht künstlich aufgebessert wurden. Heute sonnen sie sich im internationalen Rampenlicht. Doch auch auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen, muss angefügt werden, dass sich die rot-weiss-roten Winzer in eine etwas überhebliche Haltung manövriert haben und teilweise nicht die Leistung erbringen, die man angesichts ihrer Preise erwarten müsste. Dieses Bild wurde bei der jüngsten Verkostung des WTC teilweise bestätigt, auch wenn es einer differenzierteren Betrachtung bedarf. So fiel auf, dass hinter dem Klassenbesten (Blaufränkisch Selection von Tesch, Scalavini Fr. 35.-) vor allem die Weissweine punkten konnten. Und dies zum Teil zu recht interessanten Preisen. Gerade die südsteirischen Weine der Klassik-Linie überzeugen hier besonders, auch wenn die Importeure teilweise horrende Margen ansetzen! Die Roten (vor allem die Zweigelt-Weine) soffen teilweise ab, bzw. polarisierten stark! Unterm Strich kann man sagen, dass in Österreich jeder auf seine Rechnung kommt und seinen Wein findet. Erfreulich ist, dass auch ein Schweizer Pirat mithalten konnte und sich problemlos in die Phalanx der Weissen einfügen konnte (Sternhalder Scheurebe, Lüthi, Fr. 20.-). Das Degu-Team: Susanne Saudan und Pino Aschwanden (Gastgeber), Monika Fürst, Madeleine Beyeler, Jack Germann, Christoph Egli, Ralph Wettach, Hans Matzner, Markus Matzner.