Die Ernte ist zwar schon einige Monate her, aber im Keller gebärden sich die jungen Weine wie pubertierende Teenager. Wähend der eine brav seine Aufgaben macht und nach der Gärung den Säureabbau hinter sich bringt (wie reden da von einem Rosé aus Cabernet Jura), bockt der andere, will partout nicht weiter und verharrt in einer präpotenten Zwischenphase (hier ist die Rede vom Zweigelt). Auf Weindeutsch ausgedrückt, hat auch die zweite Impfung mit Oenokokken und die Anhebung der Kellertemperatur nicht den gewünschten Effekt gezeitigt, sodass sich der Wein bislang weigert, die strenge Apfelsäure in die mildere Milchsäure umzuwandeln. Da man den Weinkeller nicht auf ewig heizen kann/soll, wird der bockige Teenager aus der WG genommen und an die Wärme gestellt. Mit anderen Worten erhöhen wir die Temperatur, was den Säureabbau begünstigt. Sollte das dann geschafft sein, wird der Rote dann ins 110-Liter Barrique verfrachtet (quasi ein Edelinternat, um im Bild zu bleiben), wo er reifen wird, um als maturierter Adoleszenter unsere Gaumen zu erfreuen. Derweil macht der dritte Halbwüchsige eine erstaunlich gute Figur (die Rede ist vom Sauvignon blanc). Da von ihm der Säureabbau nicht verlangt wird, kann er sich in süssem Müssiggang üben. Dies hat jedoch zur Folge, dass wir die doch recht markante Säure noch künstlich reduzieren werden, hoffend, dass uns das der Wein verzeihen möge... Wir bleiben dran.
Grüne Weiten und Körper im rechten Winkel.
Ernte gut, alles gut...
Drei Helden der Arbeit...
Der Nachtrunk: Leicht verschwommene Sinneseindrücke inklusive.
Dank den rigoroooosen Qualitätsanstrengungen (Bild rechts) des heurigen Leseteams, das bald mit jeder brauchbaren Traube einen persönlichen Kontakt aufbauen konnte, reifen im Keller 7 Liter Sauvignon blanc und immerhin 23 Liter Rotwein aus den Sorten Zweigelt und St.Laurent. Letzterer macht zur Zeit eine Barriquephase durch. So wandern alle zwei Wochen zwei Liter Wein in das herzige kleine Barrique-Fässchen (Bild links), das wir in Frankreich erstehen konnten.
Trockeneis half, die Oxidation zu minimieren.
Dank des überaus heissen Augusts sind fast überall die Weinlesen im vollen Gang. Von einem Jahrhundertjahrgang mag (noch) niemand sprechen, aber die Zeichen stehen gut, dass es - erneut! - einen solchen geben wird. In Weiningen hat die Ernte ebenfalls begonnen. Viele weisse Trauben aber können als Folge des Hagelschlags vom Juli nur noch als Traubensaft verarbeitet werden. Zu gross scheint den Fachleuten das Risiko, dass sich bittere oder störende Töne ins Geschmacksbild mischen. Um das zu vermeiden, hätte es rigorose Ausschneide-Aktionen gebraucht, was bei vielen Reben nicht angezeigt schien. Dennoch konnten sich in einigen Lagen die Reben erholen und liessen nach mehrwöchigem Schockzustand doch dem Zuckereinbau freien Lauf. So sehen zum Beispiel unsere Sauvignon-Stöcke erstaunlich gut aus. Und auch einige Zweigeltstöcke konnten schöne Beeren bilden. Aus diesem Grund wird es also auch bei uns eine kleine - und hoffentlich - feine Ernte geben. Sicher wie das Amen in der Kirche ist jedoch, dass die Lesearbeit aufwändig und mühsam werden wird. Nur ein vollständiges Entfernen aller abgestorbenen Trauben (auf dem Bild sieht man dunkle "Rosinen") garantiert einen guten Geschmack. Hoffen wir also, dass sich der Aufwand lohnt...
Immer klarer werden die Auswirkungen des Hagelsturms: Nicht nur die Trauben sind zerstört worden. Mittlerweile zeigen sich auch die Schäden an den Trieben deutlich. Von der Wucht der Hagelkörner regelrecht aufgebrochen, wird hier nichts mehr wachsen! Angesichts der Schäden fragt man sich, auf welchem Trieb die Ernte des kommenden Jahres wachsen soll? Denn das heurige Holz bildet die Basis für die Triebe des kommenden Jahres, auf denen die Trauben wachsen. Sollten also auch die verholzten Teile der Pflanze grosses Schaden genommen haben, werden viele Stöcke auch nächstes Jahr kaum einen Ertrag haben. Düstere Aussichten also...
Es war um 01:23 in der Nacht des 13. Juli 2011. Innert
Minuten zerstörte ein Hagelsturm die heranwachsende Traubenpracht auf
der ganzen Weininger Höhe zwischen Gubrist und Geroldswil. Die Fotos
können den Schaden nur unzureichend abbilden. Bereits sprechen die
Weininger Winzer von einem Totalsausfall der Ernte. Das betrifft auch
uns! Die Trauben, von Ping-Pong-Ball-grossen Hagelkörnern aufgeschlitzt
und demoliert, sind so gut wie verloren. Auf unserem "Mohnfeld" rutschte
der Hang talwärts - die Folge unserer schweisstreibenden Jätarbeiten. Schöne Sch....
Die Triebspitze wurde von den Hagelkörnern regelrecht
gekappt. Es wird wohl Wochen dauern, bis die Pflanze wieder einen neuen
Vorstoss wagt. Wenn wir Glück haben, ist der Geiztrieb unterhalb der Spitze nicht zerschlagen worden und bildet einen neue Spitze.
Waren wir anfänglich überrascht, was alles auf unserem Rebberg zu
wachsen begann, kamen wir am Schluss aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Ein Mohnfeld war entstanden, das afghanische Talibans wie Impressionisten
gleichermassen fasziniert...
Ausblick vom Rebfeld in Richtung Weiningen.
Es geht voran...
Erstaunliche Natur: Kaum vier Wochen alt und schon einen Traubenstand gebildet! Die meisten Pflanzen gedeihen trotz der anfänglichen Trockenheit prächtig. Mittlerweile ist die Wasserversorgung allerdings viel besser, so dass mit einem regelrechten Wettrennen gerechnet werden kann. Wir bleiben dran...
Ein Farbtupfer als Augenweide: Klatschmohn als Pionierpflanze.
men & women at work
Ein Samstag Ende April 2011. Dank zahlreicher flinker Hände waren die 361 Weinstöcke innhalb von drei Stunden gesetzt und gegossen. Damit wächst vinicus-weine um fast ein Drittel und nähert sich der 1000er Marke. Das bedeutet zwar viel Arbeit, aber lässt auch die Vorfreude auf die erste Ernte steigen. Wir bleiben dran und danken den hilfreichen Geistern, die uns geholfen haben: Monika, Diana, Lilo, Adi, Hänsel, Toni, Rico, Diego, Jack, Heinz, Kaya!
Man kann bekanntlich Jahre lang ein Weinliebhaber sein und sich an den schönsten Weinen erfreuen. Man kann in unzähligen Degustationen das Myterium des Weines zu ergründen versuchen, und man kann das Trinken zum Hochamt sinnlicher Wahrnehmung machen. Man kann Bücher wälzen und sich theoretisches Wissen anlernen und gescheit reden. Und trotzdem hat man unterm Strich viel zu wenig Ahnung, was alles geschehen muss, bis man ein Glas Wein vor sich stehen hat. Auch wenn die Natur in vielerlei Hinsicht genial vorgespurt hat: Es braucht immer noch einen Mensch, der aus simplen Traubenbeeren einen herrlichen Tropfen keltert und im Keller das Optimum heraus holt. Und weil die Kunst des Kelterns so komplex und vielseitig ist und weil man hier weit besser verstehen lernt, was Wein wirklich ist, haben wir uns vor zwei Jahren entschlossen, selber im bescheidenem Rahmen zu winzern. Heuer ist ein erstes grosses Etappenziel erreicht worden: Die ersten Reben tragen Früchte und können geerntet werden! Ein kleiner Schritt für die Menschheit - ein grosser für uns Neuwinzer!
Die Ausbeute aus St.Laurent, Zweigelt und Cabernet Cubin: rund 15 Liter... Dazu rund 30 Liter Cabernet Jura...
Das Ernte-Team 2010: Nathalie Gauer, Madeleine Beyeler, Hans Matzner, Flurin Durisch, Rico Dettling, Markus Matzner
Ein kleiner Schnitt für ihn, ein grosser Schritt für die Ewigkeit...
Konzentriertes Arbeiten verteilt auf 225 Stöcke.
Nur was selber schmeckt, kann einen guten Wein ergeben.
Einmaischen - ein taktiles Gefühl der Sonderklasse...
Es braucht Durch- und Weinblick, um die schlechten von den guten Trauben zu unterscheiden...
Anweisungen fürs Gruppenbild.
Eine Woche davor: die Sauvignon-Ernte
Bereits Ende September 2010: Der Sauvignon blanc reifte gut und zügig. Allerdings zeigte sich schon bei den jungen Pflanzen, dass man das Laubwachstum zähmen muss. Wenn wir das richtige Mass treffen, erfreuen die Trauben dank ihres knackigen und fruchtig-delikaten Stils.
Kleine Beeren, 85 Öchslegrade und eine (noch) sehr bescheidene Menge, die wir Ende September ernten können...
Nach einer Kaltstandzeit von einigen Stunden (unter Luftabschluss) wurden die Beeren gepresst. Der Ertrag waren 9 Liter reiner Sauvignon. Im Keller machten sich die Hefen nach anfänglichen Startschwierigkeiten ans Werk und vergoren schon nach 3 Tagen 2/3 des Zuckers. Wir bleiben dran...